Grußwort an die Mitglieder der Löblichen Singergesellschaft von 1501 e.V.

Im Rahmen der traditionell am 6. Januar eines Jahres stattfindenden Jahreshauptversammlung der Löblichen Singergesellschaft von 1501 e.V. habe ich heute das offizielle Grußwort der Stadt Pforzheim an die Mitglieder überbracht:

Sehr geehrte Herren Obermeister,
Liebe Singer,

Seit über  5oo Jahren kümmert sich die „Löbliche Singergesellschaft von 1501″ um etwas elementar Wichtiges: um die Bürgerinnen und Bürger unserer Stadt. Die Singer setzen sich ein für ihre Mitbürger ohne zu fragen „was bekomme ich dafür ?”. Solch uneigennütziges, bürgerschaftliches Engagement macht eine Stadt wie Pforzheim wirklich reich und lebendig. Dafür gebührt Ihnen der Dank unserer Gesellschaft, den ich überbringen will als den Dank der Stadt Pforzheim – verbunden mit den herzlichen Grüßen von Frau Oberbürgermeisterin Augenstein und der Herren Bürgermeister Heidt und Uhlig. Selbstverständlich grüße ich Sie ebenfalls von Herzen.

Zwar geht es heute, meine sehr geehrten Herren, nicht mehr oder kaum noch um nackte, existenzielle Not wie im 16. Jahrhundert bei der Gründung der „Löblichen Singergesellschaft”. Aber dennoch gibt es auch heute eine Vielzahl von Möglichkeiten, um sich zum Wohle der Bürger einzusetzen. Und genau dies tun die „Löblichen Singer” in beispielhafter Weise. Dabei gibt es natürlich die Einzelfälle von großer materieller Not, welche immer wieder durch finanzielle Zuwendung gelindert werden kann. Es kann schon sehr nachdenklich machen, dass es in unserer eigentlich doch reichen Stadt Pforzheim „Armut” durchaus in größerem Umfang gibt.

Singer Wolfgang Stoll, ein profunder Kenner der sozialen Fragen in unserer Stadt, wird dazu nachher vortragen.

Die wertvolle Arbeit der „Löblichen” erschöpft sich aber beileibe nicht in materieller Hilfe. Ganz besonders schätze ich es, dass Sie den Menschen, welche nach eigener, freier Entscheidung in unserem schönen Pforzheim oder der nahen Umgebung leben,      – dass Sie den Menschen etwas sehr, sehr Wichtiges nahe bringen:

ihre Heimat, ihre kulturellen und historischen Wurzeln ihres Geburts- bzw. Lebensortes.

Und warum ist dies so wichtig ?

  • Kein Mensch kann in der Heimat gut leben, wenn er sie nicht kennt,
  • Kein Mensch wird sich mit seiner alten oder neuen Heimat identifizieren, wenn er zu wenig darüber weiß,
  • Kein Mensch wird sich für die Mitbürger einsetzen, wenn er sie und ihre Herkunft nicht kennt.

Gerade in unserer Stadt Pforzheim, in welcher rund ein Drittel der Bürger Migranten sind, ist dies von besonderer Bedeutung.

Und in Zeiten wie diesen – in einer globalisierten Welt – muss „Heimat” für jeden von uns wieder eine positive Einschätzung bekommen: Heimat als Lebensmittelpunkt, als sicherer Halt.

Nur so kann das so dringend notwendige „Wir”-Gefühl, das Miteinander entstehen. Und genau das brauchen wir für die Zukunft Pforzheims!

Dafür tun die „Löblichen Singer” vieles: Matineen, Ortsteil-Spaziergänge, die Erinnerung an Johannes Reuchlin aber auch die sehr aktive Begleitung der „Aktion Stolpersteine” seien dafür als Beleg genannt.

Zudem opfern die Aktiven im Vorder- und Hintergrund etwas ganz Kostbares – ihre Zeit. Allein dafür gebührt Ihnen herzlichster Dank. Sie sind Stadtgestalter und aktive Bürger zugleich.

Wenn es uns gemeinsam gelingt, dieses bürgerschaftliche Engagement für andere zum Vorbild werden zu lassen, dann ist mir um die Zukunft unserer aller Heimatstadt nicht bange.

Unsere Stadt, unser Pforzheim hat dies mehr als verdient – machen Sie weiter so !

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